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Sicherheit auf dem Rennrad gewinnen

Dienstag, 3. November 2020

Blog

Hast du Bedenken, wenn es um's Rennrad fahren geht? Fühlst du dich unsicher auf der Straße und hält dich dies vom Rennrad fahren ab? Unsere Bloggerin Lotta hat zu Beginn ihrer Rennrad-Laufbahn die gleichen Erfahrungen gemacht und gibt im folgenden Text hilfreiche Tipps, wie du die Angst auf der Straße in den Griff bekommst.

Die Herausforderung

Als Rennradfahrerin steht man gefühlt mit dem halben Bein schon im Grab.

Denn immer wieder hört oder liest man in den Medien oder der Community von tödlichen Unfällen. 

Und wie oft hat man/frau schon selbst brenzlige Situationen auf dem Rad erlebt, wo Autofahrer – ohne mit der Wimper zu zucken – mit ca. 30 Zentimetern Abstand an einem vorbeisausen? Manche scheinen sich sogar einen Spaß draus zu machen, Rennradfahrer zu erschrecken, anzupöbeln o.ä.

Ich habe schon öfter von Frauen gehört, die sich in ihrer eigenen Stadt nicht trauen, Rennrad zu fahren, weil sie es für zu gefährlich halten. In manchen Regionen ist die Situation sicher dramatischer als in anderen. 

Aber auch ich erwische mich immer wieder bei dem Gedanken “Was, wenn das heute deine letzte Ausfahrt ist?” Theoretisch kann immer etwas passieren – ob selbstverschuldet oder durch fremdes Einwirken. Das zu leugnen, wäre ziemlich naiv und realitätsfern. 

Man könnte sich jetzt stundenlang über diese Situation und die zugrunde liegende Verkehrspolitik aufregen. Aber letzten Ende nützt das alles nichts, denn wir sitzen sowieso am kürzeren Hebel. Entweder man geht selbst in die Politik und ändert was an der Infrastruktur und dem Rechtssystem oder man muss sich irgendwie mit den Gegebenheiten arrangieren und das Beste draus machen.

Was uns im Moment hilft, ist Vorsorge. Ein Fahrstil, der für uns selbst möglichst viele Gefahren ausschließt, wenn schon nicht alle Gefahren komplett eliminiert werden können.

Doch wie sieht der aus bzw. was kannst du konkret für Deine Sicherheit als Rennradfahrerin tun? Im Folgenden stelle ich sieben wichtige Punkte dazu vor. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Falls Dir also noch etwas zusätzlich einfällt, schreib mir gerne eine Nachricht dazu!

Sieben Lösungsansätze für sicheres Rennrad fahren

1. Fahr mit Köpfchen

Du solltest natürlich immer, wenn du dich aufs Rad setzt, dein Gehirn anschalten.

Unachtsamkeit im Straßenverkehr kann schlimmere Folgen haben als anderswo.   

Aber es geht mir hier um einen anderen Punkt: Tu Dir selbst einen Gefallen und setz einen Helm auf!

Falls das für dich Schnee von gestern ist, spring gern weiter zum nächsten Absatz.

Viele Rennradfahrer machen das ja tatsächlich schon sehr vorbildlich. Aber ich begegne auf meinen Touren immer wieder Menschen, die aus Eitelkeit – oder aus welchen Gründen auch immer – keinen Helm tragen.

Klar sieht so ein Helm vielleicht nicht wunderschön aus. Aber er erfüllt seinen Zweck - und darauf kommt es letzten Endes an!

Ein Fahrradhelm kann Dich vor Kopfverletzungen schützen. Auch wenn die Zahlen aus entsprechenden Statistiken umstritten sind.

Doch die meisten Untersuchungen beziehen sich auf den normalen Straßenverkehr innerorts – mit entsprechend langsamen Geschwindigkeiten. Wie wichtig im Vergleich dazu ist ein Helm erst auf dem Rennrad, wo du schnell mal auf weit über 30 Sachen, bei Abfahrten auch deutlich mehr beschleunigst und die Autofahrer auch nochmal nen Ticken mehr aufs Gaspedal treten?

Siehste. 

Also Scheiß auf die Frisur! Wenn dein Kopf nicht mehr dran ist, nützt die dir auch nichts mehr.

2. Beherrsche die Fahrtechnik!

Dieser Punkt klingt vielleicht selbstverständlich. Wie solltest du auch Rennrad fahren, wenn du es gar nicht kannst?

Doch fällt mir immer wieder auf, dass manche Leute unterwegs sind, die ihr Rad eben nicht in dem Sinne unter Kontrolle haben wie es vielleicht wünschenswert wäre… 

Zur Sicherheit und zur Fahrtechnik auf dem Rennrad gehört zum Beispiel, dass du mit den Klickpedalen klarkommst, sofern du welche hast. Rechtzeitiges Aus- und zügiges Wiedereinklicken an Ampeln beispielsweise sollte geübt sein.

Ebenso solltest du wissen bzw. nötigenfalls auf einer sicheren Wegstrecke ohne Verkehr austesten, in welchem Tempo du scharfe Kurven nehmen kannst, wie stark du welche Bremse bedienen darfst oder wie sich dein Rennrad auf holprigen oder nassen Fahrbahnen verhält.

Wenn du über den Lenker absteigst, ist es leider schon zu spät.

Mir ist es schon öfter passiert, dass ich einen Riesenschreck bekommen habe, weil mein Hinterrad beim Bremsen weggerutscht ist. Da war ich froh, dass ich meistens innerorts nicht groß Speed drauf hatte. 

Gerade auch beim Bergtraining ist es wichtig, das Rad vollständig im Griff zu haben – und zwar sowohl auf- als auch abwärts!

Beim Hochstrampeln spielt es zum Beispiel eine Rolle, ob du rechtzeitig in den richtigen Gang schaltest. Ein zu hoher Gang kann bei gewissen Steigungen dafür sorgen, dass du quasi auf der Stelle stehen bleibst und umkippst.

Bei steilen Abfahrten solltest du auch eventuellen Seitenwind, Schlaglöcher oder irgendwelche Gegenstände auf der Fahrbahn mit einkalkulieren.

Und wenn Dir ab einem bestimmten Tempo mulmig wird, dann scheue dich nicht, die Bremsen zu betätigen – natürlich nicht abrupt auf einmal. Hier bringt auch falscher Stolz nichts. Frei nach dem Motto: Augen zu und durch!

Sobald du Angst bekommst, handelst du nicht mehr rational – und das ist beim Rennradfahren denkbar ungünstig!

Wo wir schon bei Bremsen  & Co. sind: Natürlich solltest du auch immer darauf achten, dass alle Bauteile vorschriftsmäßig funktionieren. So wie du vor jeder Fahrt den Luftdruck kontrollierst! Wenn etwas auffällig knarzt, knackt oder schlackert, ist der Gang zur Werkstatt wohl angemessener als eine Ausfahrt!

Übrigens gibt es hier auch immer wieder Fahrsicherheitstrainings, mit denen du deine Technik schulen und manche Kniffe und Tricks lernen kannst. 

3. Kenne die Verkehrsregeln

Neben diesem rennradspezifischen Wissen ist es durchaus angebracht, sich mit der Straßenverkehrsordnung auszukennen.

Oft fährt man/frau ja innerorts kreuz und quer, um Zeit zu sparen oder nervige Hindernisse zu umgehen.

Aber genauso wie die Autofahrer und Fußgänger bist auch du ein Verkehrsteilnehmer und hast dich dementsprechend an die Regeln zu halten. Solche kleinen Fragen wie “Gilt hier Rechts vor Links oder bin ich auf der Hauptstraße?” sind für dich genauso relevant wie für alle anderen!

Du kannst dich nicht darauf verlassen, dass dich immer alle sehen und Rücksicht auf dich nehmen.

(Die häufig dreisten Fahrmanöver vieler Radfahrerinnen und Radfahrer sorgen außerdem nur dafür, dass wir unter allen anderen Verkehrsteilnehmern so verhasst sind! Und das kann uns als Gemeinschaft nur wenig nützen.)

Also: Wenn irgendwo eine Ampel rot wird, halte an. Wenn du abbiegen willst, gib die entsprechenden Handzeichen. Und falls du dir an einer Stelle nicht sicher bist, fahr lieber an den Rand und überleg dir genau, wer jetzt wo wie Vorfahrt hat, anstatt sie dir einfach zu nehmen. 

Oft ist es besser, ein paar Sekunden länger zu warten als sich in eine gefährliche Situation zu begeben.

4. Sehen und gesehen werden

Um auf dem Rennrad sicher unterwegs zu sein, ist es essentiell, dass du nicht nur selbst gut siehst, sondern auch von den anderen Verkehrsteilnehmern rechtzeitig wahrgenommen wirst.

Bei Tageslicht ist das meist nicht so schwer. Hier gilt es eigentlich nur eine Radbrille zu tragen. Natürlich ist das keine Pflicht. Aber besonders für Kontaktlinsenträger empfiehlt es sich sowieso als Schutz vor dem Fahrtwind, der einem die Tränen in die Augen treibt. Und selbst, wenn die Sonne nicht blendet, hat es deutliche Vorteile, eine Brille – ggf. auch mit ungetönten Gläsern – zu tragen, damit Käfer und anderes Getier dir nicht in die Augen fliegen.

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Ein noch so kleiner Käfer im Auge kann dir die ganze Ausfahrt vermiesen. Es ist nicht nur unangenehm, sondern unter Umständen auch ein Sicherheitsrisiko, wenn du ständig damit beschäftigt bist, ein Auge zuzudrücken oder das Ding wieder rauszupulen…

Um von den anderen auch gut wahrgenommen zu werden, ist es außerdem ratsam, entweder nur bei Tageslicht zu fahren (was sowieso mehr Spaß macht) oder aber gute Fahrrad-Lichter und Reflektoren an das Rad zu montieren. Helle Kleidung schadet in dem Zusammenhang übrigens auch nicht.

5. Fahre vorausschauend und rechne mit den Fehlern der anderen

Selbst, wenn du alle bisher genannten Tipps beachtest, kann es sein, dass etwas passiert. 100%ige Sicherheit gibt es wie gesagt leider nicht. 

Aber du kannst insofern Risiken vermindern, als du dich einerseits selbst korrekt verhältst und andererseits auch im Hinterkopf bedenkst, dass andere das nicht immer tun.

Viele Fußgänger sind sehr unaufmerksam, manche Autofahrer vielleicht überfordert oder genervt und auch Radfahrer tippen nicht selten auf dem Handy rum.

Die (potentiellen) Fehler der anderen solltest du zu deiner eigenen Sicherheit im Blick behalten oder zumindest nicht überrascht sein, wenn sie passieren.

  • Wenn du an parkenden Autos vorbeifährst, bedenke, dass dort manchmal abrupt eine Tür aufgeht.
  • Wenn irgendwo ein Hund läuft, könnte in der Nähe vielleicht auch eine Hundeleine gespannt sein, die du noch nicht siehst.
  • Wenn du durch ein Wohnviertel fährst, spielen dort eventuell Kinder auf der Straße, die schnell mal über die Fahrbahn huschen.
  • Wenn du auf einem engen Weg den Berg hoch fährst, könnte es sein, dass Leute vor dir möglicherweise plötzlich absteigen und schieben, ohne sich vorher umzuschauen. 
  • Wenn du ältere Herrschaften auf E-Bikes überholen willst, macht es Sinn, sich irgendwie anzukündigen, damit sie nicht vor Schreck vom Rad fallen.
  • Wenn du an einem Läufer/Fußgänger vorbei willst, bekommt er/sie das vielleicht gar nicht mit, weil er/sie Kopfhörer im Ohr hat...

Es ist oft hilfreich, sich durch Rufen – oder besser noch eine Klingel – rechtzeitig anzukündigen. Viele Leute rechnen nicht mit so hohen Geschwindigkeiten oder springen immer genau in die falsche Richtung.

Wenn es unübersichtlich wird, solltest du lieber auf auf Nummer sicher gehen. Denn in Bruchteilen von Sekunden zu reagieren und zum Beispiel auszuklicken, ist oft nicht möglich. In solchen Fällen hilft es nur, den nötige Sicherheitsabstand einzuhalten oder das Tempo von vornherein zu drosseln. 

6. Wähle sichere Wege und Zeiten

Es macht selten Spaß zur Hauptverkehrszeit – also morgens vor der Arbeit oder nach Feierabend – auf dem Rennrad unterwegs zu sein. Abgesehen von den Abgasen, die man da einatmet, sind Stress und Frust vorprogrammiert.

Aber an manchen Tagen und Zeiten ist auf der Straße nichts los und man kann dort ungestört sein Training absolvieren.

Wenn du die Möglichkeit hast, nutze Wege, die extra für Radfahrer vorgesehen sind. So ersparst du dir selbst eine Menge Ärger und kannst ungestört in die Pedale treten.  

Leider ist nicht jede Ecke Deutschlands mit einem guten Radverkehrsnetz gesegnet. Und für manche dauert es gefühlt Ewigkeiten, bis sie mal aus der Stadt raus sind.

Aber selbst einige Großstädte haben Fahrradstraßen oder eine ganz gute Anbindung an die Umgebung. 

Und manchmal sind sogar gewisse Straßen für Autofahrer an bestimmten Tagen gesperrt.

Falls du dich in einer Gegend nicht gut auskennst und nach einer schönen Strecke für Ausfahrten suchst, empfehle ich dir das Streckenplanungstool Komoot. Dort werden nicht nur die Höhenmeter angezeigt, sondern beispielsweise auch die Beschaffenheit der Fahrbahn (Schotter o.ä.) oder ob es sich bei dem geplanten Weg um eine Schnellstraße etc. handelt.

Ansonsten gibt es auch immer mal wieder sogenannte Radtouristikfahrten, bei denen man/frau gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten auf ausgeschilderten Strecken unterwegs sein kann.

7. Fahre in der Gruppe → Girlsrides

Falls du trotzdem noch unsicher bist oder ungern allein fährst, empfehle ich dir Gruppenausfahrten. Im Pulk wird man von Autofahrern noch einmal anders wahr- und ernst genommen als als einzelne Radfahrerin.

Wenn du niemand anderen kennst, dem oder der du dich anschließen kannst, dann such doch mal nach den Girlsrides von Liv. In verschiedenen Städten Deutschlands bieten die Markenbotschafterinnen regelmäßig solche Ausfahrten an. Dort kannst du tolle Strecken und wunderbare Menschen kennenlernen, mit denen du dich austauschen kannst und die dir sicher gerne weiterhelfen! Hier bist du auch als Rennrad Anfängerin herzlich willkommen und bestens aufgehoben, denn es macht total Sinn, direkt in der Gruppe mitzufahren.

Zu guter Letzt

Es heißt ja oft: No risk no fun. Und wenn man über alle Eventualitäten nachdenkt, kann man schon manchmal echt meschugge werden.

Also lass dir bitte nicht den Spaß verderben, aber sei auch nicht unvorsichtig.

Das richtige Maß zwischen Rennradspaß und Vorsichtsmaßnahmen muss jeder und jede für sich selbst herausfinden.

Ich persönlich bin beim Radfahren oft schon tausend Tode gestorben, aber ich bin bisher zum Glück noch nie auf dem Asphalt gelandet. 

Rennrad fahren ist ein zu schönes Hobby, als dass man dabei verbissen und verbittert werden sollte.

Deshalb, genieß es! 

Ich wünsche dir immer freie und sichere Fahrt!

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